Sex.com: Eine verfluchte Domain?

17. März 2010 | Von | Kategorie: Domain Handel, Domain News

Ich kenne keine andere Domain, mit so einer kontroversen Geschichte wie Sex.com. Die Geschichte begann im Mai 1994 als Gary Kremen die Domain frei registrierte. Schon ein Jahr später verlor er die Domain. Steve Cohen, ein mehrfach verurteilter Betrüger, konnte sich die Domain aneignen, in dem er mit gefälschten Dokumenten vorgegeben hat, Gary Kremen sei aus der (eigenen) Firma ausgeschieden und habe verfügt, die Domain soll in seine Hände übergehen. Der damalige Registrar, Network Solutions, akzeptierte diese Dokumente und übertrug die Domain an Steve Cohen.

In den fünfeinhalb Jahren von Mai 1995 bis November 2000 soll Steve Cohen rund 100 Millionen US Dollar mit der Domain verdient haben. In der Zwischenzeit mahlten die Rechtsmühlen recht langsam bis ein Kalifornisches Gericht in November 2000 die Rückübertragung zugunsten von Gary Kremen anordnete. Ferner wurde Steve Cohen zu einer Schadensersatzleistung von 25 Millonen US Dollar verurteilt, wobei dieser Betrag in einem späteren Urteil von April 2001 um weitere 40 Millionen erhöht wurde.

Gary Kremen hat aber davon keinen Cent bekommen, denn für die Prüfung seiner finanziellen Verhältnisse hat Steve Cohen gefälschte Unterlagen eingerreicht während er gleichzeitig seine Gelder systematisch ausser Lande schaffte. Als das ganze drohte aufzufliegen hat er sich nach Mexiko abgesetzt wo er einige Jahre später wegen anderer Straftaten verhaftet und der Amerikanischen Justiz übergeben wurde. Angeblich hat er mit dem Gericht „Kooperiert“, der Verbleib des Geldes blieb allerdings wegen seiner angeblichen „Amnesie“ ungeklärt. Die letzte bekannte Information ist, dass er Ende 2006 entlassen wurde und seitdem vermutlich in Mexiko lebt.

Anfang 2006 wurde der Verkauf der Domain Sex.com am Escom LLC zum Gesamtpreis in Rekordhöhe von 14 Millionen US Dollar bekanntgegeben, wobei genaue Details zum Deal wohl nicht genannt wurden. Gerüchten zufolge soll Gary Kremen noch Anteile an der Domain besitzen. Die Finanzierung eines nicht genannten Teiles des Betrages erfolgte über DomainCapital.com.

Am 18.Marz, also morgen soll die angeordnete Zwangsversteigerung von Sex.com stattfinden. Die Domain kommt bei der New Yorker Anwaltskanzlei Windels Marx Lane & Mittendorf LLP mit einem Mindestgebot von 1 Millon US Dollar unter den Hammer. Interessant, jedoch etwas undursichtig dabei, ist die Rolle von DOM Partners LLC in der Geschichte. DOM Partners LLC, mit gleicher Adresse wie DomainCapital.com, fungiert als alleiniger Pfändungsberechtigter und hat die Zwangsversteigerung aufgrund ausbleibender Zahlungen seitens Escom LLC veranlasst.

Viele gehen davon aus, dass diese Domain Auktion wieder was für die Rekordbücher sein wird. Es werden Beträge über 20 Mio Dollar als möglich genannt. Da gehen aber die Meinungen weit auseinander, insofern können wir gespannt sein, wie das Ganze ausgeht.

Zum Abschluss hier eine Übersetzung eines Beitrages von Rick Schwartz zum Thema. Manches davon kann ich nicht ganz nachvollziehen, aber die Grundaussage über den Wert der Domain halte ich für realistisch.

Diese Auktion wird kein Selbstläufer. Möglicherweise wird sich diese Auktion nicht so entfalten wie manche vermuten.

Laut Serge ist die Domain verflucht. Ihr kennt Serge nicht? Kein Problem, aber wenn er sagt, die Domain ist verflucht, dann könnte er Recht haben.

Ich könnte mir vorstellen, Sex.com wird für weniger weggehen, als damals Porn.com. Ich glaube, die jetzige Situation gibt keinen Preis jenseits von 5 oder 6 Millionen her. Diese könnte die erste „verdorbene“ Domain sein. Das Geschäftsmodell hat öfter versagt, als ich zählen kann. Steve Cohen war der einzige, der jemals $$$ mit der Domain gemacht hat aber das letzte, was ich von ihm gehört habe, war, dass er im Knast ist und ausserdem haben wir lange nicht mehr 1997.

Ich glaube, die Domain hat mehr Ego Wert ausserhalb des Domain Business und weniger als Gewinnbringer für Domain Investoren. So wird es nun interessant sein zu sehen, wie sich die Auktion entwickelt, wobei ein ausserordentlich guter Verkauf eher die Überraschung wäre. Die Domain ist weniger Wert, als sie es vor 10 Jahren war, insofern werden wir nun sehen können, ob jemand mehr bezahlt, als sie vermutlich Wert ist. Wer wird den Fluch auf Sex.com gewinnen? Ich habe eine kurze Kandidatenliste, aber ich glaube sie sind allesamt zu clever, um die $$$ zu bezahlen, die in einigen Kreisen rumgeistern. Ich denke, Wolfgang Puck wäre eventuell mit Sex.com besser bedient als mit Food.com. Ich kann mir auch verschiedene Firmen vorstellen, die eine Domain wie Sex.com zum Durchbruch bringen könnten. Ich glaube nur nicht mehr, dass Sex.com eine Domain für Domainer ist und falls ja, ist es nicht unbedingt gut. Aber was zum Teufel weiß ich?

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3 Kommentare auf "Sex.com: Eine verfluchte Domain?"

  1. Die Auktion die morgen starten sollte ist vorlaeufig abgesagt worden und es wurde ein Konkursverfahren gegen Escom eingeleitet. Es bleibt spannend.
    http://www.domainnamenews.com/legal-issues/sexcom-auction-tomorrow-involuntary-chapter-11-filed/7335

  2. […] Die unendliche Geschichte rund um die Domain Sex.com geht weiter. Der bisherige spannende Krimi um diese äußerst umstrittene Domain können Sie hier lesen: Sex.com: Eine vefluchte Domain. […]

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