heidenburg.de: Domainverlust aus Unwissenheit

17. Februar 2015 | Von | Kategorie: Domain News, Domain Recht

Gemeidevertreter verschlafen Domainanspruch

Die Redaktion der Domain volksfreund.de hat einen regionalen Fall von Domain-Snapping öffentlich gemacht. Die Nikolaus Koch GmbH hat recherchiert, dass die Gemeinde Heidenburg den Domainnamen heidenburg.de an einen Domainsnapper verloren hat.
Bis vor Kurzem wurde die Domain von einem Bürger des Dorfes als Ortsportal geführt. Als der Privatmann die Aufgabe nicht mehr weiterführen wollte, gab er die Domainadresse nicht an die Gemeinde ab, sondern an die Domainregistry DENIC in Frankfurt zurück.

Laut Aussage de Redaktion des Onlineportals volksfreund.de wusste der Oberbürgermeister Hans-Joachim Timm rechtzeitig vor der Domainfreigabe durch die DENIC von diesem Vorgang.

Es ist weder bekannt, warum der Privatmann die Domain nicht an die Gemeinde übertragen hat, noch, warum die Gemeindevertreter unter Oberbürgermeister Timm nicht zeitnah reagiert haben, um den Domainverlust abzuwenden. Dummerweise wurde auf eine Domainlöschung durch die DENIC gewartet, um dann eine neue Domainregistrierung vorzunehmen.

Leider hatte die Gemeinde kein Glück, denn sofort nach der Domain-Löschung sicherte sich „Kikker Minisuites“ diesen Domain-Namen.

Der Oberbürgermeister kommentierte dieses Missgeschick mit:
„ Wir waren einen kurzen Moment zu spät“.

Die Gemeindevertreter aus Heidenburg boten nun dem neuen Domainbesitzer 50 Euro an, doch Kikker Minisuites verlangte 250 Euro für die Übertragung der Heidenburg-Domain. Die Gemeinde will nicht zahlen und beruft sich auf das Domainrecht, das aussagt, dass Städte- und Gemeindenamen vor freier Registrierung durch unbeteiligte Dritte geschützt sind. Nun müssen wohl die Gerichte klären wem die Internetdomain zusteht.

Es ist für die Gemeinde Heidenburg sehr schade, dass der Oberbürgermeister einfach nicht reagiert hat und sich jetzt auch noch über den Domainpreis von 250 Euro beschwert. In der heutigen Zeit sollte eine gepflegte Gemeindedomain das doch wert sein.

Doch die Domainübertragung wäre vorab problemlos möglich gewesen!
Die Gemeindevertreter und besonders der Oberbürgermeister hätten vor dem Domainmissgeschick die ihnen zustehende Rechtsberatung wahrnehmen sollen. In diesem Fall hätte die Gemeinde die Domainadresse ohne Probleme vor der Löschung bereits beanspruchen können.

Denn im .de Domaintransitverfahren gilt folgendes:
Solange die DENIC noch keinen Kontakt zum Domainbesitzer aufgenommen hat, kann dieser die Domain über den alten Domainprovider reaktivieren lassen, wenn er sie versehentlich in den Transit geschickt hat.

Wenn die DENIC einen Transitantrag erhält, erfolgt der Kontakt zum Domain-Besitzer immer schriftlich. Das Schreiben enthält einen Code, mit dem die Domain online gelöscht oder aber zu einem Provider transferiert werden kann.

Bis hierher hätte der vorherige Betreiber der Gemeindedomain den Vorgang mit einer Domainübertragung an die Gemeinde abschließen können. Dazu wäre nur ein Gespräch zwischen beiden Parteien notwendig gewesen.

Reagiert der Alt-Domainbesitzer nicht auf die Nachfrage der Domainregistry, erfolgt nach einer gewissen Zeitspanne die automatische Domainlöschung durch die DENIC.

Aber warum wurde überhaupt auf eine Domainlöschung gewartet?
Jeder, der Namensrechte an einer .de Domain hat, kann einen kostenfreien Domaindispute Antrag bei der DENIC stellen. http://www.denic.de/domains/dispute.html

Liegt der DENIC ein Domain-Dispute-Antrag vor, erfolgt bei einer bevorstehenden Domainlöschung eine Domain-Direkt-Übertragung auf den Antragssteller.
Fazit: Dumm gelaufen für die Bürger von Heidenburg.

 

Wolfgang Wild Domainsmalltalk
Keine Rechtsberatung, sondern lediglich unsere persönliche Meinung

Ein Kommentar auf "heidenburg.de: Domainverlust aus Unwissenheit"

  1. Update:

    scheinbar hat sich die Gemeinde Heidenburg mit dem Domainbesitzer geeinigt
    Laut DENIC Domainwhois wurde die Domain am 18.02.15 auf die Gemeinde Heidenburg übertragen.

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